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Monday, December 15, 2025

Symphonie der Erinnerung und Melodie: Lebensgeschichte des Künstlers aus Azech, Herr Eliya Eliya

 Symphonie der Erinnerung und Melodie: Lebensgeschichte des Künstlers aus Azech, Herr Eliya Eliya


Zeugnis seines Sohnes : Professor Gabriel Eliya

Vorbereitet von : Milad Korkis 

Projekt Inhaber : Memora 360 - German 

Bevor wir die duftende Lebensgeschichte des Künstlers beginnen, muss betont werden, dass Musik niemals ein Kind des Zufalls war, noch ein Produkt einer modernen Zeit, sondern seit den Anfängen der Menschheit ein inneres Bedürfnis, vergleichbar mit dem Atem, und ein spirituelles Refugium, das der geschriebenen Sprache vorausging. Im alten Osten, wo die ersten Zivilisationen entstanden, entstand die erste Melodie mit der Erfindung der sumerischen Leier in Mesopotamien um 3000 v. Chr., als Ausdruck des menschlichen Versuchs, sich selbst und die Welt um ihn herum zu verstehen. In jener Region, die sowohl Krieg als auch Gebet kannte, entstand der Klang als lebendige Erinnerung. Von Generation zu Generation weitergegeben, wurde er nicht nur als Ton, sondern als Wirkung, als Identität und als unsichtbare Brücke vom Vergangenen zum Gegenwärtigen übertragen. Aus diesem Osten und diesem zivilisatorischen Kontinuum drang die Musik in alle Aspekte des täglichen Lebens ein und wurde zur zweiten Sprache für jene Seelen, die Worte nicht erfassen konnten.


In diesem weiten Kontext kann die Lebensgeschichte des Künstlers aus Azech, Herr Eliya Eliya, als natürliche Fortsetzung eines Gedächtnisses betrachtet werden, das älter ist als das Individuum selbst. Er war keine isolierte Erscheinung und kein zufälliges Talent, sondern Sohn eines spirituellen und kulturellen Umfeldes, in dem Musik Teil des Glaubens, der Arbeit, der Freude, des Kummers und des langen Wartens war. Die Wurzeln seiner Familie reichen in das syrische Dorf Azech, bekannt für seine spirituelle Tiefe und kirchlichen Traditionen. Unter seinen Männern ragte Bischof Hanna Eliya hervor, dessen Herkunft aus Azech stammte und der in der Kirche des Dorfes Hassana in den Taurusbergen im Rahmen einer Missionsreise mit seiner sanften Stimme sang. Sein Gesang war kein bloßes rituelles Singen, sondern ein gefühlvolles Erlebnis, das die Zuhörer berührte und die Musik von Anfang an mit Glauben, Gelassenheit und Würde verband.


In diesem Umfeld wuchs Eliya Eliya auf, getragen von einem stillen Samen, der sich früh nicht offenbarte, aber leise heranwuchs. In seiner Jugend wurde er nach Mardin geschickt, um ein Handwerk zu erlernen. Dort, zwischen alten Märkten, Klöstern und Steinhäusern, öffnete sich sein Bewusstsein für eine größere Welt. Mardin war nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern ein kultureller und spiritueller Raum. Hier lernte er das Spielen der Kemche und erlebte erstmals, wie der Klang zum täglichen Begleiter wird. In dieser Zeit lernte er Korkis Ante kennen, der die Darbuka meisterte, und zwischen beiden entstand eine stille musikalische Freundschaft, getragen vom gemeinsamen Rhythmus mehr als vom gesprochenen Wort, etwa um 1930.


Mit den politischen und sozialen Umwälzungen der Region zog die Familie etwa 1940 in die syrische Region, nach Derek (al-Malikiyah). Dort fand sich Eliya Eliya in einer neuen, menschlich ebenso reichen Umgebung wieder. Er trat in die französische Armee ein und sah während seines Dienstes zum ersten Mal eine Violine. Dieses Zusammentreffen war still, ohne äußere Aufregung, eher ein innerliches Eingeständnis. Die Violine war kein bloßes Instrument, sondern der Klang, der schon lange in ihm wohnte und keinen Weg nach außen gefunden hatte. Von diesem Moment an begann eine tiefe Beziehung zwischen Mann und Saite, geprägt von stillem Nachdenken und Geduld, nicht von Schau.


Nach dem Ende seines Militärdienstes begann die Familie ein neues Kapitel in Derek. Eliya Eliya erwarb die Violine still und überzeugt und spielte in langen Abenden der Stadt, nicht um gehört zu werden, sondern um sich selbst zuzuhören. Allmählich wurde das Spielen Teil seines Alltags, seines persönlichen Rituals und seiner Art, die Welt zu verstehen. 1956 gründete er ein Musikensemble mit Korkis Ante am Rhythmus und Moussa Eliya am Jambesh. Die Gruppe spielte im alten Kulturzentrum nahe dem Haus von Pfarrer Afram Jallo und bei Hochzeiten und gesellschaftlichen Anlässen, ohne Anspruch oder künstliche Selbstdarstellung. Musik war hier kein Beruf, sondern sozialer Dienst, eine Brücke zwischen Menschen und ein Mittel, die Last der Tage zu erleichtern.


Moussa Eliya trat als erster Jambesh-Spieler in Derek hervor und war ein talentierter Künstler, der das Erbe von Mardin wiederbelebte, insbesondere das Lied „Sabeeha“. Er war auch der erste, der 1968 gemeinsam mit dem großen syrischen Künstler Habib Moussa das bekannte syrische Lied „Shamoumeh“ spielte. Für ihn war Musik keine Option, sondern Identität.


Anfang der 1960er Jahre erweiterte sich die musikalische Szene in der Stadt: Yousef Sanonu spielte Daf, später Danho (Abo Souhel), Labib Korkis Darbuka, Moussa Eliya das Akkordeon nach dessen Einführung durch Ingenieur Hagob Sakatel, Adib Maajoun beherrschte den Jambesh. Abdulahad Eliya spielte seit etwa 1945 Klavier in der evangelischen Kirche, was die Verflechtung von Kirchenmusik und Alltag unterstrich.


Es folgten weitere Namen: Jamil Eliya studierte in Azech, Mardin, Aleppo und Beirut, reiste in die USA und wurde Violinist nach westlicher Technik. Salem Eliya spielte 1972 in der Arbeiterband Ramelan, Hanna Eliya (Abo Maikel) meisterte die Violine, Farid Eliya war Theaterregisseur, Oud- und Violinenspieler mit der Band von Dr. Obrohom in Deutschland. Josef Eliya spielte seit der 7. Klasse Jambesh und Gitarre, präsentierte „Frühling“ von Farid Alatrash und spielte später mit bekannten Künstlern im arabischen Raum und Europa. Andraws Eliya spielte Oud, und Eptsam Eliya war bekannt für ihre sanfte und klare Stimme.


Derek erlebte bedeutende musikalische Besuche: Moushe Eliyaho 1966, Mohamed Aref Aljezrawi 1968, Aram Dekran 1969, Geiger Elias von Kamishli Stadt 1971. 1972 wurde eine Kassette des kurdischen Bouzouki-Spielers Herr Nawaf von Tal Zearat Dorf aufgenommen. Diese Aufnahmen befinden sich noch heute im Besitz von Gabriel Eliya und dienen als lebendige Dokumente der Stadtgeschichte.


Gabriel Eliya setzte das Erbe ruhig fort. 1976 studierte er am Musikinstitut Akkordeon und gründete 1986 das erste Blasorchester in Derek, das bis 2000 bestand und dessen Instrumente der Syrisch-Orthodoxen Kirche übergeben wurden. Musikalische Ausbildung war Teil seines Alltags bis 2011, der Zeit der Auswanderung. Ziel war nicht, Profis zu schaffen, sondern den Klang und die Präsenz der Musik als Teil des kollektiven Gedächtnisses zu bewahren.


An Gabriel Eliya: Dieses Zeugnis ist nicht nur ein Familienbericht, sondern eine Verpflichtung gegenüber der Erinnerung. Memora 360 erhielt so die seltene Chance, eine künstlerische und menschliche Biographie unverfälscht zu dokumentieren. Wahre Erinnerung wird bewahrt, wenn sie ehrlich erzählt wird und die Details in ihrer natürlichen Sprache sprechen. Vielen Dank für Ihr Vertrauen, Ihre Geduld und Ihren Glauben, dass das stille Leben es verdient, ruhig niedergeschrieben zu werden.


So bleibt die Lebensgeschichte von Eliya Eliya die eines Mannes, der kein Licht suchte, aber Spuren hinterließ, die nicht verblassen. Er bleibt in der Melodie, in der Saite und in der Stille nach dem Spiel präsent. Sein musikalisches Leben war keine Karriere, sondern eine existenzielle Reise von Azech über Mardin nach Derek, Teil des Gedächtnisses von Ort und Menschen. Diese Biographie ist kein Ende, sondern der Beginn eines tieferen Verständnisses der Rolle der Musik für Identität und menschliches Gedächtnis.


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