Vorbereitet von : Milad Korkis
Projektinhaber : Memora 360 - German
In der syrischen Stadt Qamischli, dem Herzen Nordostsyriens, wo sich Geschichte und Kultur begegnen, wurden Persönlichkeiten geboren, die ihre Spuren in Gesellschaft, Kunst und Kultur hinterlassen haben. Unter diesen Persönlichkeiten ragt der große Künstler Iskandar Aziz Qulanj hervor – ein Sohn der alteingesessenen aramäischen Gemeinschaft, der das Erbe seiner Muttersprache, des Aramäischen (Syrischen), in sich trug und es in seinen vielfältigen künstlerischen Arbeiten widerspiegelte, sei es auf der Theaterbühne, im Kino, im Fernsehen oder im Rundfunk. Jeder Rolle, die er verkörperte, verlieh er eine sprachliche und kulturelle Tiefe, die aus seiner Identität erwuchs, sodass seine künstlerische Laufbahn zu einem lebendigen Zeugnis der Verbindung von Kunst und authentischer aramäischer Identität wurde.
Iskandar Aziz Qulanj wurde am 11. Januar 1937 in der Stadt Qamischli geboren, in eine aramäische Familie, die tief im kulturellen Erbe der Region verwurzelt war. Seine Eltern legten großen Wert auf die Muttersprache, sodass er von frühester Kindheit an fließend Aramäisch sprach und die Sprache zu einem festen Bestandteil seiner Identität wurde. Diese enge Verbindung zu Tradition und Sprache bildete das Fundament seines künstlerischen Weges. Bereits im Alter von zehn Jahren begann er mit der Schauspielerei, als er gemeinsam mit Freunden in einem Viertel von Qamischli eine Art Wandertheater gründete und Aufführungen präsentierte, die von der lokalen Umgebung und den aramäischen Traditionen inspiriert waren. Dies ermöglichte ihm frühe praktische Erfahrungen in Schauspiel, Improvisation und künstlerischer Regie.
In den 1950er-Jahren zog Iskandar nach Damaskus, um seine künstlerische Laufbahn weiterzuentwickeln. Dort arbeitete er mit bedeutenden syrischen Künstlern wie Salim Hanna und Hamdi Ibrahim zusammen. Diese Phase war entscheidend für die Verfeinerung seiner schauspielerischen Fähigkeiten. Seine künstlerische Persönlichkeit begann sich zu formen, indem er seine praktische Erfahrung mit seiner Muttersprache und seinem aramäischen Erbe verband, was ihn zu einem Künstler mit einer seltenen Fähigkeit machte, Werke von tiefer kultureller Prägung zu präsentieren.
Im Jahr 1964 wurde er Mitglied des Nationaltheaters in Damaskus, wo er in rund fünfzig unterschiedlichen Theaterproduktionen mitwirkte, darunter internationale Klassiker ebenso wie lokale Werke. Dabei achtete er darauf, in einigen Dialogen und Szenen eine aramäische Note einzubringen. Diese Zeit stellte eine grundlegende Phase seiner Laufbahn dar, in der sich sein Verständnis für das Theater vertiefte und sein Bewusstsein für die Bedeutung der Sprache als Mittel kultureller Kommunikation und Identität wuchs.
1968 trat er der Künstlergewerkschaft bei, womit eine lange Reise der Kreativität und Exzellenz begann, stets verbunden mit seiner aramäischen Identität. Sein Wirken erstreckte sich auf Theater, Fernsehen, Kino und Rundfunk, wobei die aramäische Sprache stets eine besondere Präsenz behielt. Zu seinen bedeutendsten filmischen Arbeiten zählt der Film Darbo Dḥobo (Der Weg der Liebe), der in Deutschland und der Türkei gedreht wurde. In diesem Werk verband er die aramäische Sprache meisterhaft mit der Sprache des Publikums und bestätigte damit, dass Kunst in der Lage ist, kulturelle Identität über Grenzen hinweg zu tragen.
Iskandar Aziz wirkte in herausragenden Theaterproduktionen mit, darunter Das lärmende Haus, Tartuffe, Der Widerspenstigen Zähmung, König Lear, Der König ist der König, Der Besuch der alten Dame und Hammam Schams an-Nahar. Er brillierte in Rollen, die ein tiefes Verständnis der Charaktere erforderten, und bewahrte zugleich den Reichtum seiner Muttersprache in ausgewählten Dialogen und Szenen. Damit unterstrich er die Fähigkeit der aramäischen Sprache, sich auf hohem und einzigartigem künstlerischem Niveau auszudrücken. Darüber hinaus führte er Regie und verfasste Theaterwerke wie Eine Geschichte von Liebe und Verrat, Der Diebstahl des Eis, Die Barriere, Das Pfadfinderlager, Antar, Die falschen Herren, Eine Hochzeitsfeier sowie Die Elenden (nach Victor Hugo). Dabei integrierte er gelegentlich aramäische Texte oder Dialoge, um Erbe und Identität hervorzuheben, was seinen Werken eine besondere kulturelle und sprachliche Dimension verlieh.
Seine Erfahrung erstreckte sich auch auf das Kino, wo er in bedeutenden Filmen wie Der Weg der Liebe, Gesucht: Ein Mann im syrisch-mardinischen Dialekt, Die Wanderschaft und Naji al-Ali mitwirkte. Durch den Einsatz der aramäischen Sprache in einigen Arbeiten verlieh er ihnen einen zusätzlichen kulturellen und sprachlichen Wert, wodurch er sich als ganzheitlicher Künstler präsentierte, der seine Wurzeln und sein Erbe widerspiegelt. Kritiker lobten seine Darstellungen und betonten, dass er die Gefühle der Figuren authentisch vermittelte, ohne seine kulturelle Identität zu verlieren.
Auch im Fernsehen war er präsent und übernahm markante Rollen in Serien wie Der Vulkan, Ein Ritter ohne Pferd, Der Verurteilte, Der schwarze Dorn, Issam und Rasha, Dhi Qar, Haus der Würde, Der Zug der kurzen Distanzen, Der Klopfer in Zusammenarbeit mit Ägypten, Der Weihnachtsfilm, Die Kerze und die Nadel, Der Zauber des Orients, Lichtblicke aus unserer Geschichte, Der Falke der Quraisch, Der Wal, Spotlight 9, Bab al-Hara 9 und Die Gruppe von Naji Attallah. Dabei brachte er mitunter eine aramäische Präsenz in seine Rollen ein, um die Sprache in der modernen Kunst lebendig zu halten und sein tief verwurzeltes Erbe zu bewahren.
Darüber hinaus wirkte er im Rundfunk mit, indem er wöchentliche Hörspiele für Bauern, Arbeiter und Kinder gestaltete sowie Programme wie Das Drama des 20. Jahrhunderts, Historische Persönlichkeiten, Das Wochenspiel, Erstaunliche Phänomene, Urteile der Gerechtigkeit und die Serie Yayyeesh, wir haben gesiegt. Zudem beteiligte er sich an Synchronisationsarbeiten, unter anderem an der Serie Stalin für das syrische Fernsehen. Damit wurde er zu einem Vorbild für den umfassenden Künstler, der Schauspiel, Regie und stimmliche Kreativität vereint.
Iskandar Aziz hat im syrischen und arabischen Kunstgeschehen eine deutliche Spur hinterlassen nicht nur durch sein Talent und seine Rollen, sondern vor allem durch seine Treue zu seiner aramäischen Identität und die Vermittlung seiner Muttersprache an ein breites Publikum. Er zeigte eindrucksvoll die Kraft der Kunst bei der Bewahrung des kulturellen und sprachlichen Erbes. Einer seiner Kollegen vom Nationaltheater sagte über ihn: „Iskandar ist nicht nur ein Schauspieler, er ist eine wahre kulturelle Referenz. Er bewahrt seine Sprache und verleiht ihr eine künstlerische Dimension, die viele nicht zu erreichen vermögen.“
Eine persönliche Botschaft von mir an den Künstler Iskandar Aziz:
Mein verehrter Lehrer Iskandar, Sie sind ein Vorbild für den Künstler, der seine Muttersprache und kulturelle Identität auf die Bühne, ins Kino und ins Fernsehen getragen hat und bewiesen hat, dass Kunst ihre Authentizität nicht verliert, egal wie weit sich ihre Horizonte öffnen. Ich danke Ihnen für jeden Moment Ihres Schaffens und für Ihren Einsatz, das aramäische Erbe in Ihren Werken lebendig zu halten. Ich wünsche Ihnen dauerhafte Gesundheit und anhaltende Schaffenskraft und hoffe, dass Ihr künstlerisches und geistiges Vermächtnis eine Leuchte für kommende Generationen bleibt.
Das künstlerische Leben von Iskandar Aziz Qulanj ist nicht nur eine Abfolge von Werken, sondern ein Zeugnis für die Fähigkeit der Kunst, Identität, Kultur und Kreativität miteinander zu verbinden – ein Vorbild für jeden, der seine Sprache und Kultur durch die Kunst in die Welt tragen möchte. Seine zahlreichen Errungenschaften werden für alle Generationen eine Quelle des Stolzes bleiben, und seine Spuren werden unvergänglich in der Geschichte der syrischen, arabischen und aramäischen Kunst fortbestehen.
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