Biografie von Erzbischof Mor Eustathius Matta Roham – Eine Erzählung voller Seele und Realität
Verfasser : Milad Korkis
Inhaber des Projekts : Persönlichkeiten, die Gedächtnis der Heimat schufen
Eines Morgens im November 1956 wurde in al-Qamishli, jener vielgestaltigen Stadt im syrischen Dschazīra, Matta Roham geboren – nicht bloß als Nachkomme einer syrischen Familie, sondern als Erbe einer langgelebten Tradition. Er sog seit seiner Kindheit die Reinheit des Aramäischen ein, ließ sich vom Weihrauch uralter steinerner Kirchen leiten und lernte früh, was Zugehörigkeit ohne Fanatismus und Liebe ohne Bedingungen bedeutet.
Er wuchs in einem Viertel auf, in dem sich Muslime und Christen ohne Rücksicht auf Herkunft oder Religion begegneten. Morgens ging der junge Matta in die Kirche, nachmittags lauschte er den Erzählungen in den Versammlungen der Älteren – von Heimat, Brüderlichkeit, Hunger, Würde und dem gelebten Syrischsein in einer Stadt, die bunt war und den Alltag von Koexistenz als Lebensbrot verstand.
Mit Entschlossenheit stieg er in die Wissenschaft und Theologie ein. 1982 erwarb er seinen Bachelor in Theologie an der Universität Damaskus, fasziniert von Philosophie und Kirchengeschichte. Dann reiste er in die USA, erlangte 1987 den M.Div. am General Theological Seminary in New York und 1990 den M.A. an der Catholic University of America. 1991 wurde ihm dort eine Ehrendoktorwürde verliehen – eine Anerkennung für sein intellektuell-geistliches Projekt, das die Authentizität des Ostens mit der Spiritualität des Westens vereinte.
Diese akademische Ausbildung war mehr als Wissenserwerb – sie war der Grundstein einer geistigen Schule, die praktische Theologie, soziale Verantwortung und kritisches Denken verband. Zurück in Syrien wurde er 1990 offiziell zum Erzbischof der Diözese Dschazīra und Euphrat ernannt, und von da an begann die große Reise.
Er glaubte, die Kirche müsse aus ihren Mauern treten – Schulen öffnen, Kulturzentren schaffen, Zufluchtsorte für Arme sein. In al-Hasaka und al-Qamishli gründete er Bildungseinrichtungen, in denen nicht nur Curricula, sondern auch Syrisch und lokales Erbe gelehrt wurden. Er suchte den Dialog – mit Geistlichen wie mit zivilen Aktivisten – und sah in der Kirche nicht nur spirituelle Anleitung, sondern auch soziale Gerechtigkeit, Verteidigung der Unterdrückten und Widerstand gegen moralische und politische Korruption.
Als 2011 die syrische Revolution ausbrach, stand er an einer schwierigen Weggabelung – doch er wählte den Weg des Volkes. Er schwor keine blinde Loyalität, sondern erhob seine Stimme:
„Die Revolution bedeutet nicht nur den Sturz eines Regimes, sondern das Einstürzen der Angst aus den Herzen der Menschen. Wir rebellieren nicht, um uns gegenseitig zu hassen, sondern damit wir wieder lieben können, wie es sein soll.“
Seine Stimme war nicht stürmisch und aufrührerisch, sondern kam aus der Essenz dessen, was er als Kirche verstand: die Kirche des armen, leidenden und unterdrückten Christus. Während Bomben fielen, Menschen entwurzelt wurden, öffnete er Klöster für Muslime, besuchte Flüchtlingslager, verteilte Hilfe – und wenn man ihn nach seinem Ort fragte, sagte er:
„Ich verstecke mich nicht im Haus der Erzdiözese. Ich bin im zeltlosen Zelt – bei denen, die ihr Haus und ihr Herz verloren haben.“
Dieser Standpunkt gefiel vielen Entscheidungsträgern weder im Staat noch innerhalb der offiziellen Kirche. So begann die Marginalisierung, dann die Einschränkung, und schließlich der Versuch, seine geistliche Position zu untergraben – bis er ins Exil musste. 2015 verließ er Syrien und ließ sich in Österreich nieder – nicht als Abtrünniger, sondern als einer, der das noble Schweigen dem hinterhältigen Komplott vorzog. Offiziell wurde ihm später seine Amtswürde entzogen, doch nicht die Liebe der Menschen zu ihm oder den Respekt für seinen Mut.
In einem berühmten Interview nach Jahren des Schweigens sagte er klar:
„Ich habe Syrien nicht verlassen, sondern Syrien wurde uns entrissen. Ich ging, weil es keinen Platz für freie Worte gab in Zeiten des schweigenden Gehorsams.“
📹 Interview-Link: https://www.youtube.com/watch?v=y86cz0MgnIQ
In einem weiteren Video über die kirchlichen Schulen sagte er:
„Wenn dich mitten im Bombenhagel eine Schule öffnet, ist das ein Glaubensbekenntnis an den Menschen mehr als jede Predigt.“
📹 Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=CF7uEUWxV0U
In einem Bericht von Ishtar TV mit dem Titel „Ein besonderes Gespräch mit Erzbischof Matta Roham“ erzählte er von seiner Kindheit, seiner Mutter, seiner Beziehung zur Erde – von dem Tag, als er im Alter von 14 Jahren das erste Mal die Bibel in die Hand nahm. In jeder Sekunde dieses Dialogs war er ein Mann, der nie vergessen hat, woher er kam und wem er gehört.
📰 Bericht-Link: https://www.ishtartv.com/viewarticle,48063.html
In seiner Predigt in der Kirche St. Nikolaus in Europa sagte er:
„Wenn die Heimat flieht, lassen wir sie nicht zurück. Wir tragen sie in unserem Gottesdienst, in unserer Sprache, in unseren Tränen. Heimat ist das Ritual, wenn der Atem seine Stimme verliert.“
📰 Bericht-Link: https://worthparish.org/2014/05/31/syrian-archbishop-visits-st-nicholas/
Diese und weitere Positionen machten ihn nicht nur zu einer Säule der syrisch-orthodoxen Kirche, sondern auch des nationalen Bewusstseins in Syrien. Zwischen Muslimen in der Moschee, Christen in der Kirche, Flüchtlingen im Zelt sagte er allen gemeinsam:
> „Der Herr wohnt nicht in Kirchen allein, sondern in denen, die sagen: Ich bin bei dir.“
Trotz all der Versuche, sein Andenken durch Marginalisierung und Verzerrung zu verdrängen, blieb Matta Roham in der syrischen Erinnerung präsent. Im Gegenteil – er wurde zum Symbol eines wahren Hirten: ehrlich, mutig, einfach, kultiviert, sich nicht kaufen oder verkaufen lassend.
Heute wird sein Name erneut in den syrischen Gassen erhoben – nicht als Trauer, sondern als Ruf:
Komm zurück, Eminenz. Komm zu uns. Wir brauchen deine Stimme. Einen Hirten, der nicht in politischen Hinterzimmern erschaffen wurde, sondern im Schmerz der Menschen.
Persönliche Nachricht an Seine Eminenz Erzbischof Matta Roham
Von: Milad Korkis
Eure Eminenz,
ich schreibe Ihnen nicht als Autor, sondern als einen Ihrer Kinder, die Ihren Namen in ihrem Herzen tragen – trotz Distanz und trotz des langen Schweigens. Ich schreibe Ihnen, wahrend mein Heimatland wie eine schiefe Mauer droht einzustürzen, und wir jemanden brauchen, der sie nicht mit Steinen, sondern mit Worten richtet.
Ich schreibe Ihnen, um Ihnen zu sagen: Wir vergessen nicht.
Wer schweigt, wird vergessen – aber nicht Sie. Weil Sie die Botschaft nicht verrieten, nicht mit der Wahrheit verhandelten, uns nicht im Auktionshaus der Konfessionen verkauften und sich nicht damit begnügten, das Echo eines Henker zu sein. Sie waren es – nur Sie. Groß nicht durch Rang, sondern durch Haltung, durch das Licht, das Sie in uns entzündet haben.
Wir sind eine Generation, die Sie nur aus den Medien kennt, aber Sie, Eminenz, waren jene Medien, die nicht Verrat brachten, jene Worte, die nicht gebrochen wurden, jene Gewissen, die nicht käuflich sind.
Ich schreibe Ihnen, um Ihnen zu sagen: Wenn in diesem Osten noch ein Rest Licht bleibt, sind Sie eine Quelle davon. Und wenn jemand von uns betet, dann beten wir für Ihre Rückkehr. Nicht für ein Amt, sondern für Ihre Gegenwart. Nicht für einen Titel, sondern für ein Banner.
Bleiben Sie, wie Sie waren – und wir bleiben im Bund.
Mit Liebe… und Dankbarkeit.
Ihr Sohn, der nicht vergisst
Milad Korkis
#MXR

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